HumANimal

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Das Tier und Wir

Volontär*innenausstellung im Schloss Karlsruhe

Sie ist so alt wie unsere Geschichte selbst und geprägt von zahlreichen Widersprüchen: die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Ob bester Freund oder ertragreiches Schlachtvieh – die Sicht des Menschen auf andere Lebewesen ist von unterschiedlichen Interessen geleitet und erweist sich mal mehr und mal weniger human ...

Die Volontär*innenausstellung „Humanimal – Das Tier und Wir“ im Studio des Karlsruher Schlosses präsentiert anhand von 41 Exponaten aus dem Sammlungsbestand des Badischen Landesmuseums zentrale Aspekte dieses wechselvollen Verhältnisses von der Antike bis zur Gegenwart.

Blick in die Ausstellung "Humanimal"
© Badisches Landesmuseum, Foto: Uli Deck


Der Podcast zur Ausstellung

Ein tierisch abwechslungsreiches Hörvergnügen bietet der „Humanimal“-Podcast, der eigens zur Ausstellung von den Volontär*innen konzipiert wurde. Viel Spaß beim Anhören!


Kult und Religion

Religiöse und kultische Vorstellungen bestehen seit jeher und bestimmen auch heute noch den Alltag vieler Menschen. Oftmals stehen diese sogar im Zusammenhang mit der Welt der Mythen und Legenden. Opfer und Opfergaben selbst spielen in verschiedenen Religionen und Kulten der Welt eine bedeutende Rolle, wandelten sich allerdings mit der Zeit. Meist sollten die Opfer die Götter ehren oder gnädig stimmen bzw. ehren oder einen lang ersehnten Wunsch des Opfergebers erfüllen. Im Ägypten der Pharaonenzeit wurden beispielweise bestimmte Tiere wie Katzen, Falken und Skarabäen verehrt, da man glaubte, dass die Götter durch die Tiere auf die Menschen wirkten. Diese kultische Verehrung spiegelt sich in zahlreichen erhaltenen Tiermumien wider.

Spitzmaussärge aus Bronze und Holz

Spätzeit Ägyptens / Ptolemäerzeit
7.–1. Jh. v. Chr.

Tiermumien zeugen von der kultischen Verehrung bestimmter Tiere in Ägypten. Man glaubte, dass sie zwischen der Menschen- und der Götterwelt vermittelten. Die Särge dienten der Bestattung von Spitzmäusen. Der Sarg aus Bronze enthält vermutlich noch Reste von Mumiengewebe.

© Badisches Landesmuseum, Peter Gaul


Entertainer wider Willen

Tiere gelten bis heute als besondere Publikumsmagnete und üben eine Faszination auf Jung und Alt aus. So ist die Geschichte der Mensch-Tier-Beziehung stark durch die Vorstellung geprägt, dass Tiere den Menschen unterhalten sollen. Durch Abrichtung für Zirkusnummern wird das Tier somit zum Entertainer wider Willen. Hinter den für den Betrachter amüsanten  Kunststücken liegen allerdings meist konditionierte Reize, die das Tier zu diesen zwingen. Doch nicht nur das lebendige Tier, sondern auch das mechanisch nachgebildete sorgt für große Begeisterung. So dienen Automaten der kurzweiligen Unterhaltung für den Betrachter.

Musikautomat mit Tanzbär

Schweiz, Aargau
1883/88

Der sog. Visions-Automat zeigt einen tanzenden Bären mit seinem Bärenführer. Durch Münzeinwurf aktiviert, erklingt Musik, zu der sich die Figuren bewegen. Die Zurschaustellung von Tanzbären diente der Belustigung auf Jahrmärkten. Dieser Tanz ist das Ergebnis einer qualvollen Dressur.

Bruchsal, Deutsches Musikautomaten Museum
© Deutsches Musikautomatenmuseum Bruchsal, Klaus Biber


Jagd und Prestige

Einst betrieb der Mensch die Jagd auf Tiere zum Nahrungs- und Rohstofferwerb. Insbesondere im europäischen Raum entwickelte sich die Jagd zunehmend zu einem Merkmal gesellschaftlicher Standeszugehörigkeit und Unterhaltung. Der gezielte Einsatz verschiedener Waffen war bei der Jagd ebenso wichtig wie das taktische Vorgehen. Deshalb setzte man die Jagdkunst bald mit der Kriegskunst gleich. Gesellschaftliche Anerkennung erlangte der Jäger dabei durch das Sammeln von Jagdtrophäen, die Teile des Erjagten Tieres darstellen. Lange Zeit nutzte der Mensch die Haut und das Fell von Tieren zur Herstellung von Kleidung, um sich mit dieser zu schützen und zu wärmen. Doch mit der Zeit wandelte sich dieser mehrwertige Nutzen ab, in ein Prestige-Nutzen. So werden Kleidung und Accessoires aus seltenen Tierfellen und -häuten – wie der Klassiker „Krokohandtasche“ – bis heute als Luxuswaren gehandelt.

Jagddolch

Süddeutschland
2. Hälfte 19. Jh.

Das gejagte Tier dient als Nahrungs- und Rohstoffquelle. Als Jagdgehilfe wird das Tier auch zur Waffe. Die Jagd war Privileg und Unterhaltung des Adels. Das Elfenbein des großherzoglich-badischen Jagddolchs verweist zusätzlich auf die seit Ende des 19. Jahrhunderts beliebte Großwildjagd mit exotischen Trophäen.

Karlsruhe, Badisches Landesmuseum
© Badisches Landesmuseum, Peter Gaul


Zeitlose Spielkamerad*innen

Eine ganz besondere Beziehung zu Tieren haben vor allem Kleinkinder. Sie empfinden Tiere als menschenähnlich, schenken ihnen Vertrauen und betrachten sie als Partner. Kinder lernen im Umgang mit Tieren wichtige Sozialkompetenzen wie Fürsorglichkeit und Verantwortungsgefühl.  In der Spielzeugproduktion sind Tierfiguren daher ein wesentlicher Bestandteil. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden so Schmusetiere aus Filz und Plüsch. Bis heute tragen die Spielzeugtiere verniedlichende, menschliche Züge. Dadurch werden insbesondere auch wilde Tiere verharmlost. Die kuscheligen Tiere können nicht nur als Spielgefährten dienen, sondern auch als Trostspender. Mechanische Tiere hingegen sind nicht nur bloße Ersatzprodukte für ihre natürlichen Vorbilder, sondern auch Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes sowie des technischen Fortschritts.

Fünf Furbys

Tiger Electronics, China
1998–2000

Die Furbys erhielten die Namen Kalle, Blacky, Tarzan, Rosa und Puk. Zeitgenössisch wurden die mechanisch und elektronisch gesteuerten Kuscheltiere als interaktives und lernfähiges Hightechspielzeug beworben. Sie sind die plüschigen Nachfolger der digitalen Haustiere (Tamagotchis), die wenige Jahre zuvor die Kinderherzen eroberten.

Karlsruhe, Badisches Landesmuseum
© Badisches Landesmuseum, Peter Gaul


Das Kurator*innenteam: Die Volontär*innen des Badischen Landesmuseums
© Badisches Landesmuseum, Foto: Uli Deck

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